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FAQ zum geplanten Open-Air-Gelände

Seit Wochen wird über das geplante Konzert von Ed Sheeran in Düsseldorf diskutiert. Ein Verfahren, das wir so in Düsseldorf auch noch nicht erlebt haben: der Veranstalter, der Oberbürgermeister und die städtische Eventgesellschaft D.LIVE verkünden, dass Ed Sheeran hier auf dem Messeparkplatz auftritt. Die nötige Ausnahme vom Bebauungsplan und die Fällung von über 100 Bäumen, soll von der Politik dann bitte schnell beschlossen werden.

Update 27.06.2018

Sheeran spielt nun in der VELTINS Arena auf Schalke – an zwei aufeinander folgenden Tagen.

Was haben die GRÜNEN gegen Ed Sheeran?

Nichts. Wir sind nicht gegen Ed Sheeran und wir können den Frust der Fans verstehen, denen vom Veranstalter erst für Essen/Mülheim und dann für Düsseldorf Tickets verkauft wurden und Träume versprochen wurden. Dass wir eine Ausnahme vom Bebauungsplan nicht mittragen können ist keine Entscheidung gegen Großkonzerte in Düsseldorf, keine willkürliche Entscheidung und auch keine Rücknahme irgendeiner Zusage. Für die Befreiung vom Bebauungsplan ist zwingend ein Beschluss des Planungsausschusses notwendig. Dieser war weder im März noch in den folgenden Wochen absehbar oder gar garantiert. In diesem Sinne haben wir auch den Veranstalter sowie weitere Akteure angeschrieben.

Um wie viele Konzerte geht es?

Aktuell geht es um ein Konzert von Ed Sheeran im Juli 2018, das eigentlich in Essen/Mülheim stattfinden sollte. Aufgrund von Problemen mit möglichen Blindgängern und dem Artenschutz soll das Konzert nach Düsseldorf verlegt werden. Für weitere Konzerte ist eine dauerhafte Änderung des Bebauungsplan nötig.

Messeparkplätze Luftbild Geoportal http://maps.duesseldorf.deUm welche Fläche geht es?

Im Wesentlichen geht es um die asphaltierte Fläche im Nord-Westen der Messeparkplätze, genannt P1. Die Pläne für das Ed Sheeran Konzert – die 1 zu 1 aus Essen übernommen wurden, ohne sie an die Fläche anzupassen – sehen vor, dass am nördlichen Rand die Bühne aufgebaut wird. Die geplanten temporären Tribünen würden allerdings auch die angrenzenden Flächen östlich und westlich der Asphaltfläche betreffen.

Was sind die Probleme?

Auf dem Parkplatz stehen viele Bäume, die bei einem Konzert im Weg wären. Die ca. 60 Bäume, die innerhalb der asphaltierten Fläche standen, wurden bereits umgepflanzt. Mehr als 100 weitere Bäume an den Rändern müssten aber gefällt werden, da dort die Tribünen stehen sollen. Außerdem befürchten Anwohner*innen zu viel Lärm und Verkehrsprobleme.

Gibt es keine Alternativen? Kann Ed Sheeran nicht in der ESPRIT arena spielen?

Aus unserer Sicht hätte es Alternativen gegeben. Auf der Openair-Fläche wären mit anderen oder ganz ohne die Tribünen keine Baumfällungen nötig gewesen. Und an fast allen anderen Tourstationen in Europa spielt Ed Sheeran mehrere Tage hintereinander in einem Stadion.

Warum können die GRÜNEN der Ausnahme nicht zustimmen?

Bereits Anfang März haben wir das Verfahren und die Kommunikation scharf kritisiert. Obwohl für die Fläche eine Ausnahme vom Bebuungsplan und die Genehmigung der Veranstaltung nötig ist, wurde die Fläche schon als „D.LIVE Openair-Park“ vermarktet und wurde das Ed Sheeran Konzert vom Oberbürgermeister und der D.LIVE bereits als fix verkündet. Es gab keine Rücksprache mit der Politik. Erst als keine Mehrheit für die Ausnahme absehbar war, wurden Gespräche geführt und Drohungen kommuniziert.
Die beiden kritischen Punkte sind seitdem unverändert: es müssten über 100 Bäume für die Tribünen gefällt werden, ohne dass Alternativen geprüft wurden. Und es geht um eine Ausnahmegenehmigung für ein einziges Konzert, ohne belastbare Perspektive für die weitere Nutzung. Das ist und bleibt unverhältnismäßig.

Was ist mit den angebotenen Ausgleichsmaßnahmen?

Die als Ausgleichsmaßnahmen ins Spiel gebrachten Baumpflanzungen in der Innenstadt sind größtenteils Greenwashing und kein Kompromiss für eine Genehmigung. Wir haben als Ampel bereits ein Konzept für ein „1.000 Bäume Programm“ auf den Weg gebracht. Dies ist ein wichtiger Baustein des Klimaanpassungskonzeptes. Beides muss unabhängig von der aktuellen Diskussion ohnehin erfolgen.
Ja, der Veranstalter würde jetzt einen Beitrag für die Neupflanzungen leisten. Aber der Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen würde aus dem städtischen Haushalt oder durch private Spenden finanziert. Das ist kein Ausgleich sondern kann so oder so gemacht werden.

Schadet die Absage nicht Düsseldorf?

Die Diskussion und die Berichterstattung schadet Düsseldorf als Konzertstandort mit Sicherheit. Deshalb haben wir das Verfahren und die Kommunikation früh kritisiert. Es wurde auch über Drohungen von Veranstalter*innen berichtet, die weitere Events aus Düsseldorf abziehen wollten. Das kann und darf uns allerdings nicht in der politischen Entscheidung beeinflussen. Die Situation ist durch das desaströse Verfahren und die schlechte Kommunikation vom Oberbürgermeister, der D.LIVE und dem Veranstalter verbockt worden. Wir können es nicht mit einer Änderung unserer Haltung retten.

Soll es denn noch ein Openair-Gelände geben?

Die grundsätzliche Idee auf dem Messeparkplatz eine nachhaltige Fläche für Openair-Events zu ermöglichen, wollen wollen wir weiter verfolgen – in Ruhe und mit mehr Transparenz und Beteiligung der Bürger*innen. Für Ed Sheeran sollte eins zu eins das Konzept aus Essen kopiert werden. Eine freiere Planung würde hingegen Events mit 80.000 oder mehr Besucher*innen erlauben, ohne dass Bäume gefällt werden müssten. So würden Veranstaltungen möglich, die für Düsseldorf, die Bürger*innen und Gäste ein Gewinn sind.

Rot: Fällungen für die Tribünen, Gelb: ausgepflanzte Bäume. Punkte sind Bäume, Kreise repräsentieren Stammumfänge

Bäume –  Fällungen, Umpflanzungen, Ausgleich, Baumkataster, Banderolen …

Über alle Bäume im öffentlichen Raum, die der Verantwortung der Stadt unterliegen, gibt es (unterstützt durch unsere Forderung) mittlerweile ein Baumkataster.

Außerdem haben wir erwirkt, dass künftig Bäume, die im öffentlichen Raum gefällt werden sollen, durch eine Informationsbanderole gekennzeichnet werden sollen.

Müssen die Bäume, die als Auflage neu gepflanzt werden den gleichen Umfang haben, wie die gefällten?

Das wäre sehr schön! Denn die ökologische Bedeutung größerer Bäume können kleinere Bäume nicht ersetzen (Filterung der Luft, Kühlung, Regulierung der Luftfeuchtigkeit, Spenden von Schatten, Lebensraum für Tiere).

In der Praxis werden kleinere Bäume als Ersatz gepflanzt, die bis zu einem stattlichen Stammumfang Jahrzehnte Wachstum vor sich haben.

Größere Bäume können – wenn überhaupt – nur unter großem Aufwand ohne Schädigung (um)gepflanzt werden. Die Wurzeln eines Baumes nehmen unterirdisch etwa den gleichen Raum ein wie die Blätterkrone. Um einen großen Baum umzupflanzen, bedarf es jahrelanger Vorbereitung seines Wurzelwerkes.

Für uns sind Bäume kein Stadtmobiliar, das beliebig entfernt, versetzt, verschoben werden kann.
Wir GRÜNEN achten bei allen Bauvorhaben, deren Genehmigung die politische Gremien durchlaufen, darauf, ob
jede einzelne Baumfällungen vermieden werden kann, z.B. durch alternative Anordnung von Gebäuden.

Stimmt es, dass 1.000 neue Bäume als Ersatz angeboten worden waren?

Nein. Es war die Rede von einem Betrag, der die Pflanzung von 120 Straßenbäumen ermöglicht hätte.
Wohlgemerkt für 104 gefällte Bäume. Für uns keine Lösung.

Jeder nicht gefällte Baum zählt.

Werden die bereits ausgepflanzten 60 Bäume wieder zurück gepflanzt?

Sollte das B-Planverfahren nun tatsächlich eingeleitet werden, macht es keinen Sinn, die Bäume hin- und her- zupflanzen. Wie gesagt: Bäume sind keine Möbel.

Im Interesse der Bäume muss mindestens die richtige Pflanzzeit eingehalten werden.
In der Baumschule, in der die Bäume jetzt stehen haben sie erst einmal Ruhe, um den Stress vom Auspflanzen zu verkraften.

Was passiert mit den Netzen um die Bäume?

Wir haben die Verwaltung bereits gebeten, dafür zu sorgen, dass die Netze schnellstmöglich entfernt werden. Außerdem müssen die Höhlen in den Baumstämmen wieder geöffnet werden, damit sie als Lebensraum für Vögel und andere Tiere wieder zur Verfügung stehen.

Links zu weiteren Informationen:

 „GRÜNE bleiben bei Nein zum Ausnahmeverfahren – Kritik an den berichteten Drohungen“ (Pressemitteilung 25. Juni 2018)

GRÜNE Position zum Openair-Gelände: Kritik an Kommunikation und Verfahren zum Openair-Gelände (Beschluss der Fraktionsversammlung 28. Mai 2018)

 

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