7. Mai 2025
An
Ratsfrau Ursula Holtmann-Schnieder
Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses
Sehr geehrte Frau Holtmann-Schnieder,
wir bitten Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 07.05.2025 zu setzen und von der Verwaltung beantworten zu lassen:
Anfrage
- Wie viele Jugendliche und Heranwachsende sind in Düsseldorf von Jugendstrafverfahren in den letzten fünf Jahren betroffen gewesen und welche Delikte treten in diesem Zeitraum am häufigsten auf?
- Welche sozialpädagogischen bzw. psychologischen Angebote gibt es in Düsseldorf bereits, die sich gezielt an straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende richten (bspw. betreute Wohngruppen, Verselbstständigungsangeboten, Nachsorge nach Haftentlassung, U-Haftvermeidung, Suchthilfe, Anti Gewalt und soziale Trainings) und welche Bedarfe für weitere Angebote gibt es, die (in Zusammenarbeit mit dem Land) realisiert werden können?
- Wie könnte in Düsseldorf ein Modellprojekt „Jugendstrafvollzug in freiem Formen“ (eine Alternative zum regulären Vollzug), auch unter der Berücksichtigung von Best Practice Beispielen aus anderen Bundesländern, realisiert werden und wie bewertet die Verwaltung ein solches Projekt?
Begründung
Der klassische Jugendstrafvollzug stellt junge Menschen vor große Herausforderungen, da Haft oft zu sozialer Isolation führt und Rückfallquoten hoch bleiben. Alternative Konzepte wie der „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ haben sich in anderen Bundesländern bewährt und bieten neue Perspektiven für eine erfolgreiche Resozialisierung.
Beispielsweise bieten Einrichtungen wie „Seehaus Leonberg“ und „Seehaus Leipzig“ in Baden-Württemberg und Sachsen1 straffälligen Jugendlichen zwischen 14 und 23 Jahren die Möglichkeit, ihre Haftzeit in einem strukturierten Umfeld zu verbringen. Jugendliche, die an sich arbeiten wollen, können sich für das Seehaus bewerben und leben dort mit Hauseltern und deren Kindern. Sie erleben familiäre Geborgenheit und durchlaufen gleichzeitig einen anspruchsvollen Arbeitsalltag.
Die Vorteile eines solchen Modells sind kleinere, betreute Einheiten, die eine intensive, individuelle Betreuung ermöglichen und soziale Kompetenzen stärken, sowie die Strukturierung eines Alltags mit Schule, Arbeit und sozialem Training üben, was Disziplin und Verantwortungsbewusstsein vermittelt. Wiedergutmachungsansätze und Angebote zur Stärkung von Opferempathie fördern zusätzlich soziale Verantwortung.
Ein Modellprojekt in Düsseldorf könnte neue Wege in der Jugendhilfe aufzeigen und Alternativen zur herkömmlichen Inhaftierung bieten. Die positiven Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass solche Konzepte zu einer erfolgreichen Resozialisierung beitragen können. Eine enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Trägern und eine Anpassung an die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen in Düsseldorf wären hierfür entscheidend.
Mit freundlichen Grüßen
Paula Elsholz Birgit Schentek