Ratsfraktion – CDU / Bündnis 90/Die Grünen
An
Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses
Frau Pina Nell
Antrag der Ratsfraktionen von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 15.04.2026
Betrifft:
Antrag der Ratsfraktionen von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – hier: Bestands- und Bedarfsaufnahme niederschwelliger psychosozialer Unterstützungsangebote für junge Menschen
Sehr geehrte Frau Nell,
die Ratsfraktionen von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bitten Sie, folgenden
Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 12.03.2025 zu nehmen und durch die
Verwaltung erarbeiten zu lassen:
Antrag:
Vor dem Hintergrund der bestehenden Jugendhilfeplanungen, des Kinder- und Jugendförderplans 2026–2030 sowie weiterer relevanter Planungen und Angebote wird die Verwaltung gebeten, eine Übersicht niedrigschwelliger psychosozialer Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres dem Jugendhilfeausschuss vorzulegen.
Ziel ist es, eine strukturierte und leicht verständliche Darstellung bestehender Unterstützungsstrukturen und -angebote, der entsprechenden Akteurslandschaft sowie der Bedarfe zu erhalten. Dabei sollen auch vorhandene Erkenntnisse zu Wirkungen und möglichen Weiterentwicklungsbedarfen berücksichtigt werden.
Die Bestandsaufnahme kann dabei unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen, etwa mit Blick auf Zugänge zu Unterstützungsangeboten, sozialräumliche Bedarfe, Schnittstellen zwischen den Systemen sowie digitale und zielgruppenspezifische Aspekte.
Begründung:
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wachsen in einer zunehmend komplexen Lebensrealität auf. Psychische Belastungen, gesellschaftliche Krisen, soziale Ungleichheiten und digitale Dauerverfügbarkeit prägen ihren Alltag.
Aktuelle Studien zeichnen ein konsistentes Bild der Belastungslage junger Menschen: Die COPSY-Studie[1] zeigt, dass psychische Auffälligkeiten seit der Pandemie deutlich zugenommen haben und sich nur teilweise zurückgebildet haben, viele berichten weiterhin über Stress, Einsamkeit und eine geringere Lebensqualität. Die Shell-Jugendstudie[2] beschreibt eine verunsicherte, zugleich politisierte Generation, die stark von Zukunftssorgen, Leistungsdruck und mentalen Belastungen geprägt ist. Ergänzend macht die JIM-Studie[3] deutlich, dass digitale Lebenswelten einen wachsenden Einfluss auf das Wohlbefinden haben, etwa durch hohe Bildschirmzeiten, sozialen Vergleich und Erfahrungen mit Cybermobbing.
Aktuelle Untersuchungen[4] zeigen zudem, dass psychische Belastungen zuletzt wieder zunehmen, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen.
Diese bundesweiten Befunde sind auch für die kommunale Ebene relevant und spiegeln sich in veränderten Bedarfslagen vor Ort wider.
In Düsseldorf bestehen bereits vielfältige Unterstützungsstrukturen. Neben den Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstellen sowie schulpsychologischen Angeboten gibt es eine Reihe spezialisierter und niedrigschwelliger Zugänge, etwa jugendnahe Beratungsangebote freier Träger, Angebote für Mädchen und junge Frauen, offene Beratung im Jugendinformationszentrum zeTT sowie Fachstellen zur Stärkung der psychischen Gesundheit im Gesundheitsamt. Ziel ist insbesondere auch eine stärkere Vernetzung und Sichtbarkeit bestehender Angebote. Ergänzend wurden digitale Zugänge aufgebaut. So stellt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit der App „Between the Lines“ einen niedrigschwelligen digitalen Wegweiser in das lokale Hilfesystem bereit. Gleichzeitig arbeitet die Verwaltung am Aufbau einer stadtweiten Struktur für digitale aufsuchende Arbeit, um junge Menschen stärker in ihren digitalen Lebenswelten zu erreichen.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Jugendhilfe in Düsseldorf bereits wichtige Schritte geht. Vor diesem Hintergrund geht es mit dem vorliegenden Antrag nicht um einen Neustart, sondern um eine strukturierte Weiterentwicklung bestehender Ansätze. Ziel ist es, Bewährtes sichtbar zu machen, Bedarfe präziser zu erfassen und die Verzahnung analoger, digitaler und sozialräumlicher Unterstützungsangebote weiter zu verbessern.
Mit freundlichen Grüßen
Birgit Schentek Frederik Hartmann
[1]https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html
[2]https://www.shell.de/ueber-uns/initiativen/shell-jugendstudie-2024.html?utm
[3]https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/
[4] https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/psychische-belastungen-bei-schuelerinnen-nehmen-wieder-zu