Buchhandel unter Druck – wie frei ist der Literaturbetrieb?

Eine Veranstaltung der AG Kultur, Bündnis 90/ Die Grünen, Kreisverband Düsseldorf

Am 10. Februar dieses Jahres veröffentlichte der Beauftragte für Kultur und Medien, Dr. Wolfgang Weimer, eine Liste der Buchhandlungen, die mit dem Buchhandlungspreis 2026 ausgezeichnet werden sollten.

Drei Buchhandlungen, die von der unabhängigen Jury ebenfalls ausgezeichnet werden sollten, fanden sich nicht mehr unter den Preisträgern: Die Buchhandlungen „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, „Rote Straße“ in Göttingen und „Golden Shop“ in Bremen. Die Streichung wurde von Staatsminister Weimer mit „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ begründet, die gegen die Buchhandlungen vorlägen. Welche das sind, weiß man bis heute nicht.

Gegen diesen Eingriff in die autonome Entscheidung der Jury erhob sich vielfacher Protest, darunter vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Dieser ist an dem Buchhandlungspreis beteiligt. Der Vorsteher, Sebastian Guggolz schreibt in seiner Stellungnahme vom 4. März:

„Die Kunst- und Meinungsfreiheit sind für die Arbeit der Buchhandlungen und unsere gesamte Gesellschaft von größter Bedeutung. […] Die Würdigung der kulturellen Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängig zu machen, lehnen wir grundsätzlich ab.“

Die betroffenen Buchhandlungen haben gegen die Entscheidung Rechtsmittel eingelegt, denn eine Anfrage beim Verfassungsschutz ist ohne gesetzliche Grundlage nicht möglich – und diese Grundlage fehlt in diesem Fall. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jasper Prigge vertritt die Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ und verklagte Minister Weimer beim Verwaltungsgericht Berlin auf Unterlassung des Extremismusvorwurfs.

Grundsätzlich geht es aber auch um die Unabhängigkeit von Buchhandlungen sowie der Literaturproduktion insgesamt von politischer Einflussnahme. Wie lässt sich verhindern, dass die Produktion und Verbreitung von Kultur von staatlicher Seite beobachtet und gegebenenfalls aus der Förderung ausgeschlossen wird, wenn sie nicht ins politische Konzept passt? Welche weiteren Konsequenzen hat der Skandal? Werden etwaig unliebsame Titel aus dem Ladensortiment genommen? Gibt es Selbstzensur im Veranstaltungsprogramm?

Hierzu wollen wir uns austauschen mit Jasper Prigge, mit Selinde Böhm und Rudolf Müller von der Müller & Böhm Literaturhandlung im Heine Haus (mehrfach mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet) sowie mit der Bürgermeisterin Clara Gerlach. Angefragt wurde auch die Regionaldirektorin NRW des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Anja Urbschat.

Zeit: Dienstag, 21. April 2026, 19:30 bis 21:00 Uhr
Ort: Sia Consulting, Düsseldorf, Schwerinstr. 40
Moderation: Christoph Danelzik-Brüggemann, Frank Liedtke
Kontaktchristoph.danelzik@gruene-duesseldorf.de