Abbenennung Hans-Günther-Sohl-Straße

27. Sep 2016

An
den Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks 2
Herrn Dr. Uwe Wagner

Sehr geehrter Herr Dr. Wagner,

die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, den folgenden Antrag in die Tagesordnung zur Sitzung der Bezirksvertretung 2 am 27.09.2016 aufzunehmen und zur Abstimmung zu bringen.

Es wird gebeten, dem Rat zu empfehlen, die Hans-Günther-Sohl-Straße abzubenennen.

Sachdarstellung
Mit der Benennung einer Straße sollte 1991 die Stellung Hans-Günther Sohls als Wirtschaftsführer im Nachkriegsdeutschland gewürdigt werden. Dabei blieb die besondere Rolle Hans-Günther Sohls in der Zeit vor 1945 unberücksichtigt.

„Seine grundsätzliche Nähe zum NS-Regime wird durch verschiedene Aspekte betont. Dies gilt für seinen frühen Beitritt zur NSDAP (01.05.1933, Mitgliedsnummer 2209563) ebenso, wie für seine Berufung zu einem der rund 400 „Wehrwirtschaftsführer“ im Jahr 1943, also einer der exponierten und durch das Regime besonders herausgestellten Positionen der Rüstungsindustrie.

Eine besondere Rolle spielte er beim Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern bei den Vereinigten Stahlwerken. Sein Aufgabenbereich als Vorstand umfasste auch den Personaleinsatz, damit war er unmittelbar für den Zwangsarbeitereinsatz bei dem der größten deutschen Rüstungskonzerne verantwortlich.

Das KZ-Außenlager „Berta“, ein Außenlager des KZ Buchenwald, befand sich in unmittelbarer Nähe zur heutigen Hans-Günther-Sohl-Straße (Dinnendahl- / Schlüterstraße).

Hinzu kommen mindestens acht mittlere und größere Zwangsarbeiterlager, die in einem Umkreis von maximal 100 Metern um die heutige H.-G.-Sohl-Straße herumlagen und in denen ebenfalls rüstungsrelevante Produktion stattfand. Die 2002 durch das Stadtarchiv veröffentlichte Studie zu Zwangsarbeit in Düsseldorf weist die Existenz dieser Lagerstandorte eindeutig nach. Der Bereich Flingern-Nord/Grafenberger Allee ist also als ein Ballungsgebiet der rüstungsrelevanten Zwangsarbeit anzusehen.“ (Stellungnahme von Dr. Fleermann und Dr. Henkel in der Informationsvorlage 172/38/2016)

Durch die neuen Erkenntnisse der historischen Forschung, die die Stellung Hans-Günther Sohls im NS-Regime dokumentieren, wird eine Umbenennung unumgänglich, insbesondere wegen der Nähe der nach ihm benannten Straße zu den genannten Zwangsarbeiterlagern.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Reich          Harald Schwenk

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