Milan Haker

Freiwilliger im politischen Leben 29.08.2016 bis 28.08.2017Milan Haker

Mein FSJ-P in der GRÜNEN Ratsfraktion

Nach meinem Abitur habe ich in der Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ein Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben gemacht über das ich hier berichten möchte:

Während den Vorbereitungen für mein Abitur im Frühjahr 2016 habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, was ich danach eigentlich machen möchte. Da für mich klar war, dass ich zwar langfristig aber nicht sofort studieren will, habe ich mich nach Möglichkeiten für ein sogenanntes „Gap-Year“ umgeschaut. Bei meiner Recherche bin ich über die ijgd auf ein Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben / in der Demokratie gestoßen. Da ich Politik schon lange spannend fand, habe ich mich beim ijgd beworben, wurde angenommen und hatte nun die Möglichkeit mich auf einzelne Einsatzstellen zu bewerben.

Als grün-naher Düsseldorfer hat mich die Ausschreibung der GRÜNEN Ratsfraktion in Düsseldorf direkt angesprochen. An dieser Stelle sei selbstlobend erwähnt, dass ich 2014 in den Kommunalwahlen mit Zweitstimme GRÜN gewählt habe und mir meine FSJ-P Stelle sozusagen selbst geschaffen habe (vor der Wahl war die Ratsfraktion zu klein) – welch Geniestreich. Meine Bewerbung führte zu einer Einladung zu einem Bewerbungsgespräch – dieses verlief erfolgreich und so wurde ich genommen. Darüber bin ich unendlich glücklich, weil:

das Team super nett ist! Ohne andere ernstzunehmende Erfahrungen gemacht zu haben, wage ich zu behaupten, dass die Atmosphäre in der Ratsfraktion eine besondere ist. Es macht einfach Spaß, Teil des „Greenteams“ zu sein und die Mitarbeiter*innen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich hatte immer das Gefühl, dass keine meiner Fragen unangebracht oder nervig waren und ohne kommunalpolitische Erfahrung gab es in den ersten drei Monaten des FSJ-Ps sehr viele Fragen!

die Ratsfraktion die beste Arbeitgeberin ist. Meine 39 Arbeitsstunden in der Woche konnte ich sehr flexibel einsetzten, so dass ich inhaltliche Prioritäten und Schwerpunkte setzten konnte. Diese Flexibilität von Arbeitgeberseite konnte ich zurückgeben, wenn ich bei Terminen aller Art dabei war, die erst abends oder am Wochenende stattfanden.

Da Kommunalpolitik Ehrenamt ist, finden viele Veranstaltungen und Sitzungen der Ratsfraktion abends statt. Meine Anwesenheit bei Abendveranstaltungen oder manchmal auch Klausuren am Wochenende war oft erwünscht und lohnenswert für das politische Verständnis. Durch die flexiblen Arbeitszeiten fand ich neben meiner Arbeit weiterhin ausreichend Möglichkeit, meinen Hobbys nachzu-gehen, wofür ich sehr dankbar bin.

das FSJ-P in der GRÜNEN Ratsfraktion viele spannende Aufgaben mit sich bringt. Die vermeintlich langweiligste ist unter dem Punkt Büroorganisation zusammengefasst und gehörte jedoch tatsächlich zu meinen Lieblingsaufgaben.

Es geht unter anderem um die Verschickung des täglichen Pressespiegels, der eine Übersicht über kommunalpolitische Themen in den Zeitungen bietet. Dieser wird ergänzt durch kommunalpolitisch Relevantes und aktuelle Medienberichte und Social Media Aktivitäten von und über die GRÜNEN. Eine sehr dankbare Aufgabe, da man beim Studium der vielen Artikel einiges über Kommunalpolitik lernt und immer auf dem Laufenden ist, worüber in der Ratsfraktion gesprochen wird.

Zur Büroorganisation gehören des Weiteren das Vor- und Nachbereiten von Sitzungen, ein paar Verwaltungsaufgaben und auch die Unterstützung bei der Buchführung der Ratsfraktionsfinanzen.

Indem ich die Referent*innen bei ihrer Recherche unterstützt habe, habe ich viele unterschiedliche politische Themenfelder kennen gelernt und mich in einige vertieft eingearbeitet. So verfasste ich Anfragen und Anträge in Zusammenarbeit mit den Referent*innen oder sogar komplett eigenständig. Das Schönste ist es, wenn selbst formulierte Antragsbeschlüsse in den Ausschüssen verlesen, beschlossen und später umgesetzt werden.

Hier sei erwähnt, dass man während des FSJ-P immer die Möglichkeit hat, an allen Ausschüssen, die einen interessieren, inklusive deren Vorbesprechungen teilzunehmen. Vor allem in diesen Vorbesprechungen kann es heiß her gehen – ich erhielt Einblicke, die nicht viele haben!

Es ist interessant, die Ratsleute und Ausschussmitglieder bei ihrer politischen Arbeit zu unterstützen, sie zu den Sitzungen zu begleiten und zu beobachten, wie die verschiedenen Parteien / Fraktionen argumentieren, taktieren und sich später in den Ausschüssen verhalten und abstimmen.

Ein weiterer Punkt ist die Organisation von Events, wie z. B. von Fachgesprächen, Klausuren oder größeren Vorbesprechungen. Bei meiner größten Veranstaltung – dem Fachgespräch City-Logistik – war ich in Zusammenarbeit mit Claudia, unserer Umweltreferentin, für die komplette Organisation vor, während und nach der Veranstaltung zuständig.

Dazu gehörte: inhaltliche Strukturierung, Akquise der Redner*innen, Schalten von Werbung und Ankündigung auf allen Kanälen, Anmietung und Gestaltung der Räumlichkeiten, Finden eines passenden Caterings-Services und die Beschaffung der Technik. Das hat mir viel Kopfzerbrechen und noch viel mehr Freude bereitet und ich habe sehr viel gelernt dabei.

Das FSJ-P ist zu einem großen Teil das, was man selbst daraus macht. Sowohl die Referent*innen plus Chef als auch die Politiker*innen müssen sehr viele Aufgaben spontan und in kurzer Zeit erledigen. Daher sollte man aufpassen, dass nicht nur auf Abruf kurzfristig etwas zu recherchieren oder etwas in der Stadt zu besorgen ist, sondern auch immer eigene längerfristige Projekte zu bearbeiten sind.

Diese Projekte sucht man sich am besten selbst aus und entscheidet dadurch, an welchem Thema und mit welcher Mitarbeiterin der Ratsfraktion man arbeitet. Das ist eine große Chance, die man aber auch angehen muss, damit sie nicht im Alltagsstress in der Fraktion untergeht.

die FSJ-P Seminare, die fünf wunderbare Wochen sind. Im Laufe des Jahres fährt man fünf Mal für jeweils fünf Tage mit ca. 25 anderen FSJ-Pler*innen auf Seminarfahrt. Diese Seminare waren mit die wertvollsten Wochen, die ich bisher erleben durfte. Einige der Menschen, die ich dort kennengelernt habe, zähle ich heute zu meinen besten Freundinnen und Freunden.

Die Seminare werden von der Seminargruppe selbst organisiert und auch das Thema der Woche wird von der Gruppe selbst bestimmt. Die Leiter*innen unterstützen jede noch so verrückte Idee und sorgen dafür, dass die fünf Tage reibungslos verlaufen.

ein FSJ-P in der Ratsfraktion der GRÜNEN einfach unfassbar gut im Lebenslauf aussieht. Mittlerweile studiere ich Philosophy & Economics in Bayreuth und glaube, dass mein FSJ durchaus positiv in die Bewertung meiner Bewerbung eingeflossen ist. Auch von den vielen Kontakte, die ich in der Fraktion und während der Seminare geknüpft habe, werde ich sicherlich profitieren können.

Als Fazit ist zu sagen, ich habe während des Jahres im politischen Leben sehr viel über mich und meine Arbeitsweise, Kommunalpolitik, meine Heimatstadt Düsseldorf, Klüngel, Organisation, Selbstorganisation und Arbeiten im Team gelernt. Diese Erfahrungen kann man gegen nichts aufwiegen und mir bleibt nur noch: Danke für ein geniales Jahr!

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