Marika Philippsen

Praktikantin vom 02. Juli 2012 bis zum 20. Juli 2012Marika Philippsen

Aus dem Alltag einer Praktikantin in der Grünen Ratsfraktion – Auf der Suche

Nächstes Jahr werde ich (hoffentlich erfolgreich) meine Schullaufbahn beenden, dann vermutlich ein ökologisches Jahr irgendwo im Ausland einlegen und danach….ja, was dann?

Irgendwas Ökologisches muss es sein. Richtung Umweltschutz. In diesem Bereich ist Unterstützung und Engagement in der heutigen Zeit, meiner Meinung nach, am wichtigsten.

Aber auf welcher Ebene unterstützen und engagieren?

Um das heraus zu finden, habe ich mich für ein dreiwöchiges Praktikum bei der GRÜNEN Ratsfraktion in Düsseldorf beworben. Keine andere Partei steht so sehr für umweltbewusstes Handeln und ökonomische Nachhaltigkeit wie BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

GRÜNER Alltag – Praktikum vor der Sommerpause

Meine ersten fünf Tage am Marktplatz 3 waren sehr spannend und aufregend für mich, denn es gab viel zu tun. Eine Woche vor den Sommerferien in NRW standen noch wichtige Termine an: Fraktionsversammlung am Montag, gemeinsame Sondersitzung des Schulausschusses und des Jugendausschusses am Mittwoch und vor allem die Ratssitzung und das vorhergehende Frühstück aller Ratsmitglieder der GRÜNEN am Donnerstag.

Bei der ersten Sitzung, an der ich teilnahm – der Fraktionsversammlung am Montag – verstand ich bei weitem nicht alles worüber gesprochen wurde, doch fiel mir eines schnell auf: innerhalb der GRÜNEN Partei herrscht eine fröhliche, freundschaftliche Stimmung, die auch dann nicht verschwindet, wenn man sich in einem Punkt mal nicht einig ist. Man kennt und schätzt sich, hört sich gegenseitig zu und respektiert die Meinungen der Anderen. Im Großen und Ganzen also eine heile Welt, diese kommunale Politik, dachte ich, als ich an diesem Abend nach Hause fuhr.

Die Ernüchterung kam dann zwei Tage später, in Form der gemeinsamen Sondersitzung Schulausschuss und Jugendausschuss. Bei der Debatte über die Erhöhung von KiTa- und OGATA- Beiträgen war kein Konsens zu finden, CDU und FDP schienen sich eine generelle Ablehnung aller Vorschläge der SPD und der GRÜNEN vorgenommen zu haben, diese wichen ihrerseits auch keinen Zentimeter von den ihrigen ab.

Es herrschte angespannte Stimmung zwischen den Parteien, die Wortbeiträge waren nicht selten wie giftige Pfeile, die durch den Saal flogen, und scheinbar besonders gerne von FDP und CDU abgeschossen wurden.

In der Ratssitzung am Donnerstag durfte ich mit in den Saal um Frau Koch bei dem schriftlichen Protokoll der Sitzung zu helfen.

Zunächst wurden einige Punkte auf der Tagesordnung wieder von eben dieser gestrichen, meistens traf dieses Schicksal Anträge der SPD und der GRÜNEN, denn diese bilden keine Mehrheit im Rat und können so problemlos von FDP und CDU überstimmt werden.
Dann gingen die Debatten los, zum Teil war man sich schnell einig, zum Teil wurde lange und intensiv und nicht selten auch emotional diskutiert. Diese langen Debatten fand ich persönlich interessant, denn sie betrafen meistens auch wirklich wichtige Themen, die einschneidende Veränderungen für die Stadt bedeuten.

Jedoch hatte ich nicht den Eindruck, dass die Vorträge der verschiedenen Abgeordneten wirklich eine Meinungsänderung bei den übrigen Parteien bewirkte. Niemand wich von seiner Einstellung ab, das Ergebnis der abschließenden Abstimmung über den jeweiligen Tagespunkt war daher meist schon vorher abzusehen.

Am Ende der öffentlichen Sitzung und somit meines Arbeitstages um 20:00 Uhr, war ich wirklich geschafft, hatte aber eine wichtige Erkenntnis erlangt: um kommunale/r Politiker/in zu sein, braucht man nicht nur Ausdauer, Geduld, Redegewandtheit und Liebe für die Stadt sondern auch einen gehörigen Schuss Selbstbewusstsein.

Denn diese teilweise schwer angreifenden Kommentare anderer Politiker sind nichts für schwache Gemüter.

Nicht ganz der Alltag – Praktikum im Sommerloch

In den folgenden zwei Wochen meines Praktikums kehrte dann eine ziemliche Ruhe in der Ratsfraktion ein. Die meisten der Ratsleute fuhren in den wohlverdienten Urlaub. Ich schnitt Tag für Tag den Pressespiegel zusammen, machte Recherchen im Internet, schrieb eine Pressemitteilung, zwei Anfragen, einen Bericht über die soziale Lage in Wersten, eine offizielle Einladung, erledigte Botengänge und kontaktierte verschiedene Leute mit verschiedenen Anfragen. Es war nicht viel los und nicht mehr allzu viel zu tun in der Ratsfraktion, aber das bringt das Sommerloch nun einmal mit sich.

Jetzt, am Ende meiner Zeit hier, bin ich froh, dass ich mich für ein Praktikum bei den GRÜNEN entschieden habe. Es war eine sehr lehrreiche, eine sehr abwechslungsreiche Zeit, die auch mir persönlich weitergeholfen hat, weil ich sehen konnte, dass man in der kommunalen Politik nicht selten auch mal über seinen eigenen Schatten springen muss.

Darüber hinaus war es beeindruckend zu beobachten, wie die GRÜNEN für „ihre Sache“ brennen. Auch wenn sie momentan noch in der Minderheit sind und nicht selten gegen die Mauer CDU/FDP rennen, wird nicht klein bei gegeben.

Das macht Mut für eigene Ziele, und wer weiß, vielleicht finde ich mich ja eines Tages als Ratsmitglied für Umweltpolitik bei den GRÜNEN wieder…

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