Umsetzung des Ganztagsrechtsanspruchs in Düsseldorf

An
Herrn Oberbürgermeister Dr. Keller
Vorsitzender des Rates

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bitten Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 10. Juli 2025 zu setzen und abstimmen zu lassen:

Antrag
Die Verwaltung wird gebeten, möglichst bis Ende 2025 die vorgestellten Maßnahmen zur Umsetzung von Ganztagsbetreuung in der Primarstufe um folgende Aspekte zu erweitern:

1. Fachkräftegewinnung und -bindung weiterentwickeln
Der Maßnahmenkatalog zur Fachkräfteoffensive (Rat/517/2022) bildet die zentrale Grundlage zur Fachkräftesicherung. Ergänzend wird gebeten darzulegen:

  • wie kurzfristige Zusatzbedarfe („on demand“) an einzelnen Standorten abgedeckt werden können,
  • wie Maßnahmen zur Personalbindung, insbesondere in Quartieren mit besonderem Unterstützungsbedarf, gezielt wirksam werden können,
  • wie Honorarkräfte unter der neuen Struktur (Umstellung auf Kindpauschalen) tariflich und strukturell abgesichert bleiben,
  • wie sichergestellt wird, dass Personal nicht durch hohe Fluktuation oder wechselnde Einsatzlogiken belastet wird.

2. Pädagogische Qualität absichern und ausbauen
Die Verwaltung wird gebeten darzulegen:

  • wie pädagogische Qualität unter zeitlich unterschiedlichen Rahmenslots, Beziehungsarbeit und individuelle Förderung gewährleistet werden,
  • wie sich die geplanten Betreuungsschlüssel auf den pädagogischen Alltag in den jeweiligen Betreuungsmodellen (14 / 15 / 16 Uhr) konkret auswirken/nachjustiert werden müssen,
  • wie die geplanten Aufgabenprofile von Koordinations- und Küchenteams in der Praxis wirken,
  • welche Bildungs- und Freizeitangebote in den drei Modellen gewährleistet werden können,
  • ob Mindeststandards für pädagogische Angebote formuliert werden können, insbesondere für Lernzeit, Freizeitgestaltung und soziale Teilhabe.

3. Randzeitenbetreuung konzeptionell prüfen
Da der gesetzliche Anspruch auf acht Stunden Betreuung ab Schulbeginn begrenzt ist, wird die Verwaltung gebeten,

  • ein Konzept für eine ergänzende, freiwillige Randzeitenbetreuung vor und nach der Rechtsanspruchszeit zu entwickeln – orientiert an den bisherigen Erfahrungen der Randzeitenbetreuung in der Kita- und OGS-Landschaft,
  • dies soll insbesondere Alleinerziehende und Familien mit atypischen Arbeitszeiten entlasten.

4. Sozial gerechte Steuerung stärken
Die Verwaltung wird gebeten:

  • aufzuzeigen, ob und wenn ja wie bei der Platzvergabe gerade zu Beginn sozialräumliche Faktoren (z. B. Bildungsgrad, Transferleistungsbezug, Migrationshintergrund) berücksichtigt werden können,
  • das Wahlverhalten der Eltern zum Start der neuen Modelle systematisch zu beobachten, um etwaigen Ungleichheiten frühzeitig begegnen zu können.

5. Verlässliche Beteiligung kleiner Träger sicherstellen
Die Verwaltung wird gebeten,

  • die derzeit laufenden Gespräche mit kleinen freien Trägern zeitnah in ein konkretes Beteiligungskonzept zu überführen. Ziel ist es, gewachsene Trägerstrukturen dauerhaft zu nutzen, auch unter neuen Finanzierungsbedingungen, und die Trägervielfalt als Qualitätsmerkmal der Düsseldorfer Bildungslandschaft aktiv zu erhalten.

6. Zukunft des gebundenen Ganztags sichern
Die Verwaltung wird gebeten darzulegen:

  • wie die bestehenden gebundenen Ganztagsmodelle an Grundschulen unter dem neuen Gesamtsystem ab 2026/27 fortgeführt und rechtlich sowie organisatorisch gesichert werden können. Ziel ist es, bestehende bewährte Modelle nicht zu gefährden und Vielfalt im Ganztag zu erhalten.
  • Dabei soll auch geprüft werden:
    • wie gebundene Konzepte als Teil des Angebotsportfolios gleichberechtigt fortbestehen können,
    • ob Sonderregelungen oder schulrechtliche Anpassungen erforderlich sind.

Begründung
Mit der Umsetzung des bundesweit geltenden Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung in der Primarstufe steht Düsseldorf vor einem grundlegenden Strukturwandel. Die bereits vorgelegte Konzeption und die Gespräche mit Schulleitungen und Trägern zeigen, dass die Stadt diesen Prozess mit Engagement und Weitsicht angeht. Dafür danken wir ausdrücklich allen Beteiligten.

Gleichzeitig machen Rückmeldungen aus der Praxis, wissenschaftliche Einschätzungen, sowie die Inhalte des Gesprächs mit der Verwaltung deutlich, dass in Bereichen, wie der Trägervielfalt, der sozialen Ausgewogenheit der Inanspruchnahme, der Randzeitenbetreuung und der Absicherung und des Ausbaus der pädagogischen Qualität weiterhin offene Fragen bestehen.

Die Fachkräfteoffensive bietet schon eine tragfähige Grundlage, braucht jedoch gezielte Ergänzungen, um die spezifischen Herausforderungen der Ganztagsausweitung in Düsseldorf zu bewältigen.

Mit diesem Antrag möchten wir einen konstruktiven Impuls zur Weiterentwicklung, im Sinne eines verlässlichen, gerechten und qualitätsvollen Ganztags für alle Kinder in Düsseldorf, setzen. Dazu gehört auch die Sicherung bereits bestehender gebundener Ganztagsmodelle.

Mit freundlichen Grüßen

Mirja Cordes                       Dr. Frank Schulz