Integration Kreativräume und kulturelle Raumbedarfe in die Stadtplanung – am Tag und in der Nacht

Antrag beschlossen.

20. September 2018

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP bitten Sie, den folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung des Rates am 20.09.2018 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beauftragt die Verwaltung, die Voraussetzungen zur Sicherung von Kreativräumen und kulturellen Raumbedarfen zu schaffen – interdisziplinär, ämterübergreifend und in Kooperation mit D.LIVE und Düsseldorf Tourismus.
Dabei sollen zunächst die Clubszene, Livemusikstätten ebenso wie Nachtkulturstätten und Nachtökonomie behandelt werden. Darauf aufbauend können auch die weiteren Cluster der Kultur- und Kreativwirtschaft bearbeitet werden.

Dazu

1. erfolgt eine Pilotstudie zur Erfassung der derzeit genutzten Standorte und ihrer Entwicklungsperspektiven („Kultur-Mapping“; in der Innenstadt, aber beispielsweise auch in Unterbilk, Oberblik, Lierenfeld oder Derendorf),

2. werden Handlungsempfehlungen und Instrumente entwickelt, wie die Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere die Musik- und Clubkultur, im Rahmen einer integrierten Stadtentwicklung berücksichtigt werden können. Schwerpunkte sollen dabei die Sicherung von Räumen der Musik- und Clubkultur, die Lösungsmöglichkeiten bei Nutzungskonflikten im Bestand und die Berücksichtigung von kreativen Räumen, bei städtebaulichen Planungsmaßnahmen sein.

3. Für die Umsetzung soll auch externe fachliche Beratung genutzt werden. Außerdem soll eine Analyse und Darstellung von Förderprogrammen des Landes, des Bundes und der EU zur Unterstützung dieser Zielsetzungen erfolgen. Für die notwendige Untersuchungen und Konzeptentwicklungen werden Mittel in Höhe von 50.000 Euro im Haushalt, jeweils für die Jahre 2019 – 2020 bereitgestellt.

Sachdarstellung
Düsseldorf hat eine lebendige Ausgehkultur und eine innovative Kreativ- und Kulturszene, in der die Vielfalt der Stadt mit all ihren Tönen, Bildern und Geschichten Ausdruck findet. Sie ist dabei längst ein relevanter Wirtschafts- sowie Standortfaktor für Düsseldorf, auch aber nicht nur aufgrund der Imageverbesserung und Anerkennung.

Für die Zukunft geht die aktuelle Studie „Digitalisierung der Kreativwirtschaft“ davon aus, dass der Wunsch nach Live-Auftritten weiter steigen wird. Die Bedeutung von Clubs und anderen Orten für Live-Musik wird damit größer.

Wir befinden uns inmitten neuer Herausforderungen der Urbanisierung: Düsseldorf wächst weiter und damit nimmt auch der Nutzungsdruck auf die nur begrenzt verfügbaren Flächen vor allem in urban geprägten Lagen mit Entwicklungspotenzial zu – insbesondere für Wohnbebauung. Kreativen Szenen droht schleichende Verdrängung. Dies wird aktuell am Beispiel der Kulturclubszene („Brause“, „Damen und Herren“, „Datscha“ usw.) deutlich, betrifft aber auch die übrigen Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Es sollte auch Aufgabe der integrierten Stadtentwicklung sein, kreative Räume zu sichern und neue Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Untersuchungs- und Handlungsempfehlungen dienen den städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen und den in Arbeit befindlichen Stadtentwicklungskonzepten, insbesondere dem „Raumwerk D“.

Dazu benötigt Düsseldorf zunächst eine Erfassung des Bestandes und der jeweiligen Entwicklungsperspektiven sowie Handlungsempfehlungen und Instrumente, mit denen die Stadt die Zukunft der Kreativszene in Düsseldorf gestalten kann. Die Erfahrungen anderer Großstädte zu Fragen des Lärmschutzes (beispielsweise Lärmschutzbord, Lärmschutzfonds, Mediationsstelle) sowie der Flächen (beispielsweise Freiraumkataster, Liegenschaftspolitik) können dabei wichtige Anhaltspunkte sein. Die Verstetigung des Austauschs mit der Kreativszene durch den Aufbau eines Netzwerks, z. B. in Form eines Beirats oder eines/r „Night Mayors“, sollte beispielsweise diskutiert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Hebeler                                         Norbert Czerwinski

Markus Raub                                             Manfred Neuenhaus

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