Wohnungslosigkeit in Düsseldorf

In diesem Jahr hat die Stadtverwaltung Düsseldorf nach internen Analysen entschieden, vier „Platten“ (Schlaf- und Aufenthaltsplätze von wohnungslosen Menschen im öffentlichen Raum) nicht länger zu tolerieren. Formal ist das Lagern im öffentlichen Raum grundsätzlich nicht erlaubt. Wenn es keine Probleme gibt, beispielsweise durch Vermüllung, Exkremente oder beim Brandschutz, werden die „Platten“ von der Stadt jedoch toleriert. Aktuell gibt es ca. 20 tolerierte Platten in Düsseldorf.

Eine Maßnahme zur Freihaltung einer ehemaligen „Platte“ hat nun eine breite öffentliche Debatte ausgelöst. Am Apollo-Platz wurden die Bereiche unter den Rampen der Geh- und Radwege zur Rheinkniebrücke auf einer Seite Fahrradbügel angebracht auf der anderen Seite große Steine abgeladen. Dazu unsere grundsätzlichen und konkreten Gedanken:

Besserer Umgang mit wohnungslosen Menschen

Die Stadt Düsseldorf geht mit wohnungslosen Menschen deutlich toleranter um und bietet deutlich mehr Unterstützung an, als noch vor wenigen Jahren. „Platten“ werden toleriert, solange es keine gravierenden Probleme mit dem Brandschutz, Müll, Exkrementen oder Ungeziefer gibt. Eine zusätzliche Notschlafstelle wurde in der Aldenerkstraße in Heerdt eingerichtet, eine weitere folgt in der Schützenstraße in der Stadtmitte. Auch für wohnungslose EU-Bürger*innen wurde endlich ein dauerhaftes Notfallangebot geschaffen.

Wohnungslose Menschen auf „Platten“, die aus den unterschiedlichen Gründen nicht toleriert werden können, werden durch Streetwork und OSD auf die verschiedenen Möglichkeiten angesprochen. Allen Wohnungslosen wird Unterstützung angeboten. Wenn eine solche „Platte“ frei wird (aktiv geräumt werden musste in letzter Zeit keine), prüft die Stadt, wie neue Camps verhindert werden können. An der zweiten Spindel unter der Rheinkniebrücke wurden beispielsweise Fahrradständer montiert. Andere Stellen werden häufig kontrolliert.

Steine als fatales Symbol

Die an der Rheinkniebrücke nun genutzten Steine haben ein Symbol erzeugt, dass extrem unpassend ist und als menschenfeindliches Signal ankommt. Wenn dort aus Sicht der Stadt nicht dauerhaft „Platten“ toleriert werden können, dann hätten andere Mittel zur Freihaltung genutzt werden sollen.

Insgesamt hätte die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit, den Betroffenen und den Akteuren vor den Maßnahmen besser und aktiver sein müssen. Das betrifft sowohl die Maßnahmen gegen neue „Platten“ an den kritischen Stellen als auch das Angebot der neuen Notschlafstelle an der Aldekerkstraße.

Verbesserungen beschlossen

Die Vorwürfe, dass Düsseldorf insgesamt wieder repressiver gegen Wohnungslose vorgehen würde und dass die Ansätze schlimmer als zu Zeiten von Oberbürgermeister Erwin sein, weisen wir deutlich zurück. Die Angebote sind bereits ausgebaut worden und es gibt zahlreiche „Platten“ die in Kooperation zwischen Streetworker*innen und OSD weiterhin toleriert werden. Zusätzliche Unterkünfte sind im Bau (Dorotheenstraße) und in Planung (Heyestraße, Hasseler Richtweg). Die Vermittlung in reguläre Wohnungen ist mit ca. 400 Mietverträgen pro Jahr durchaus erfolgreich.

Weitere Informationen

Infos der Stadt zur neuen Notschlafstelle Aldekerkstraße

Infos der Stadt zur zukünftigen Notschlafstelle Schützenstraße

Video der Stadt dazu

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