Artenschutz bei Bau- und Renovierungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden

06.06.2019

Sehr geehrter Herr Tacer,

die Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP bitten Sie, folgenden Antrag in der Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz am 06. Juni 2019 auf die Tagesordnung zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ausschuss für Umweltschutz beauftragt die Verwaltung, im Rahmen künftiger Bau- und Renovierungsmaßnahmen bei städtischen Gebäuden Fledermausquartiere und Nisthilfen für gebäudebrütende Vogelarten zu integrieren, sofern dem Gebäude oder den Nutzern dadurch kein Schaden oder unzumutbare Belästigung zugefügt wird.

Der Ausschuss für Umweltschutz ist über die erfolgten Installationen einmal jährlich zusammengefasst zu unterrichten.

Sachdarstellung: Die anstehenden Bau- und Renovierungsmaßnahmen an städtischen Gebäuden – vornehmlich an Düsseldorfer Schulen – bieten eine gute Gelegenheit, um bauliche Maßnahmen und Artenschutz miteinander zu verbinden. Die Stadt als Gebäudeeigentümerin kann bei Renovierungen oder Neubau die Aspekte des Natur- und Artenschutzes stärker als bisher berücksichtigen. Mit technisch einfachen und finanziell wenig aufwändigen Maßnahmen können Quartiere für (bedrohte) Tiere wie Vögel oder Fledermäuse erhalten und/oder neu bereitgestellt werden.

Viele Vogel- und Fledermausarten nutzen Gebäude als „Ersatzfelsen“ zum Leben und Brüten. Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen – vor allem bei der energetischen Sanierung – werden diese Nester und Quartiere meist zerstört oder deren Zugänge dauerhaft verschlossen. Dies ist völlig unnötig.

Beispielsweise können Einbausteine in und an Gebäuden angebracht werden, auf Putz, in Wärmedämm-Verbundsysteme oder in Klinker-Fassaden (z. B. bei denkmalgeschützten Gebäuden). Auch lassen sich durch kleine Öffnungen in Dachverkleidungen die dahinter liegenden Hohlräume für Tiere nutzbar machen, ohne Schäden am Gebäude zu verursachen.

Das Potenzial für den Erfolg solcher Nisthilfen wird von Fachleuten als sehr groß eingeschätzt; in den allermeisten Fällen werden die Quartiere angenommen. Die Wahrscheinlichkeit, die Tiere beobachten zu können, ist daher bei fachgerechter Anbringung der Nisthilfen sehr hoch.

Gerade an Schulen ist dies ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz und Umweltbildung. Beim Einrichten von Nisthilfen stellt sich für Kinder und Jugendliche in der Regel schnell ein Erfolgserlebnis ein. Die Nistplätze an Schulgebäuden machen die heimische Tierwelt für die Schüler*innen direkt erlebbar und bieten eine gute Möglichkeit, den naturkundlichen Unterricht durch direkte Beobachtungen zu bereichern.

Mit der Verdichtung der Siedlungsräume verändern sich die Lebensräume für Tiere in der Stadt. Insbesondere für Vögel und Fledermäuse ist dies mit Artenrückgang oder gar -verlusten verbunden. Eine naturverträgliche Siedlungsentwicklung gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben der modernen Raumplanung und Stadtentwicklung. Der BUND, Kreisgruppe Düsseldorf, hat der Stadt Düsseldorf Beratungshilfe für die fachgerechte Auswahl und die bauliche Integration von Nisthilfen bereits zugesichert.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt, Ursula Holtmann-Schnieder, Ulf Montanus

 

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