Fynn van Rießen

Praktikant vom 27. April 2020 bis 26. Juni 2020Fynn van Rießen

Hallo zusammen!

Auch wenn mein Bericht für einige Zeit vielleicht der oberste sein wird, so muss ich wohl sagen, werde ich doch das positive Lob meiner Vorgänger wiederholt bestätigen müssen, und dass, obwohl es bei mir doch ziemlich anders losging.

Aber erstmal zum Einstieg. Mein Name ist Fynn, ich bin neunzehn Jahre alt und lebe schon genauso lange in Düsseldorf am Rhein. Nach einem halbjährigen FSJ in Brasilien waren dann bei mir drei schöne Praktikumsmonate in der Ratsfraktion geplant. Mich interessierte vor allem der „Einblick hinter die Kulissen“. Was passiert denn eigentlich im Rathaus? Klar, alle sind für mehr Radwege, aber wer macht auch mehr Radwege? Wer steht auch hinter der Bühne für sein Wort ein?

Zuallererst kam dann aber die Corona-Pandemie. COVID eben. Mein Praktikumsbeginn verspätete sich. Und natürlich auch Format und Umfang des Praktikums änderten sich grundlegend: Erstes wurde zu Beginn größtenteils digital, und zweiter nahm in etwa um so viel ab, wie sonst eben im Büro gesessen wird. Umso glücklicher war ich also, als das Praktikum dann zuletzt begann.

Und was ein Start es war! Pandemiebedingt hatten die meisten Ausschüsse lange nicht mehr getagt, zugleich waren aber durch Corona dringliche Beschlüsse notwendig, man musste schnell Maßnahmen treffen und es entpuppte sich wie gut – und gut war es auch im Großen und Ganzen – das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung war.

Während anderen Ortes plötzlich zuvor als unmöglich geahnte Mengen an Pop-Up Radwegen „aufpoppten“, wurde in meiner ersten Ratssitzung dann situationsbedingt aus der anderen Ecke erstmal die „Sinnhaftigkeit der Umweltspuren“ angezweifelt. Alte Streitthemen in neuem Licht also. Die Grenze zwischen logischen Reaktionen und der Instrumentalisierung der Pandemie war manchmal recht eng könnte man meinen.

Gleichzeitig wurden auch jahrelang vorbereitete „Masterpläne“ verabschiedet, in einem von ihnen wurde eine großzügige Erhaltung der Düsseldorfer Gaslaternen beschlossen. Ein Thema, bei dem selbst fraktionsintern die Vorstellungen voneinander abweichen. Nicht zu erwähnen, dass die Konsequenzen hiervon zu großen Teilen von den nächsten Generationen getragen werden. Die Laternen sind nämlich einerseits von historischem und kulturellem Wert, stellen gleichzeitig aber auch eine hohe finanzielle als auch klimaschädliche Bürde dar.

Was in der Theorie durch ein reines Abwiegen, welche Werte hier am stärksten wiegen, gelöst werden kann, ist in der Realität eine zutiefst komplexe Entscheidung. Während solche Kompromisse dem idealistischen Geiste schwerfallen mögen, kommen auch Momente des Glücks nicht zu kurz, wenn man im Eilverfahren erfolgreich finanzielle Unterstützung für die Düsseldorfer nicht-Hochkultur beantragt.

Bei all diesem Geschehen war ich meistens live (sonst digital) dabei, konnte mit sichtlichem Stolz auch beim nicht-öffentlichen Teil der Sitzungen bleiben, erlebte sowohl den verdeckten fraktionsinternen als auch den öffentlichen interfraktionellen Diskurs und Disput und half dem Greenteam durch simple Tätigkeiten oder komplexeres Auf- und Vorbereiten von Inhalten, auf Grundlage derer dann zukünftige Entscheidungen gefällt werden würden. Dank geduldiger Hilfe wurde ich bald auch mit den groben Strukturen, Zuständigkeiten und unzählige Abkürzungen, die dieses Umfeld prägen, bekannt.

Sehr interessant fand ich zudem, die grünen Ratsleute persönlich kennenzulernen, sich über ihre lokale Verwurzelung und ihre spezifischen Themengebiete zu unterhalten. Wer sind diese Menschen eigentlich, die sich alltäglich den Interessen anderer verpflichten? Durch diese Unterhaltungen kam es auch dazu, dass ich an einer Aktion in meinem eigenen Stadtteil teilnahm, deren Initiation an der Grenze zwischen Bürgerbeteiligung und Lokalpolitik zustande kam.

Was hier Schritt für Schritt ausgetüftelt wurde, hat das Potential, ein ganz neues Zentrum im Bilker Stadtbezirk zu schaffen. Lebens- und Umweltqualität aus eigener Hand. Das macht ordentlich glücklich. Hier wurden mir schnell wieder die kleinen und so lebensnahen Wurzeln von dem klar, was viele sonst vielleicht als schwermütigen bürokratischen Apparat kennen.

Wie lange dieser sich Zeit nimmt, lernte ich dann zu Ende meines Praktikums. Die zweitägige Marathon-Sitzung des Rates unter Berücksichtigung der Abstandsregelungen und durchgehender Live-Übertragung dauerte in summa gute 20 Stunde. Hier kam dann auch alles zu Tage. Wortgewandten Reden im Wahlkampf-Modus folgten präzise Analysen zu den Aussagen des Oberbürgermeisters bezüglich seiner Nebeneinkünfte. Insgesamt absolutes Highlight, wenn auch mit kleinen Verschnaufpausen.

Noch wichtiger war am Ende aber eine Konstante in meinem Praktikum: das Greenteam. Mein größter Dank geht an diese Gruppe supernetter Menschen! Ich wurde mit offenen Armen empfangen und mit viel Hilfe in die Tiefen der Kommunalpolitik geführt. Besonders Ulla, Milena, Stephan und Julia haben mir durch alle möglichen Situationen geholfen. Ein Wiedersehen ist in diesem Sinne ebenso erwünscht wie wahrscheinlich!

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