Zielkonflikte beim Wohnungsbau

Dass sich zurzeit an vielen Stellen in Düsseldorf die Baukräne drehen, um das Problem des Wohnungsmangels zu mildern, ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Das richtige Maß und die Mischung zwischen sozialem und freifinanziertem Wohnungsbau, aber auch die Lage im Stadtgebiet, zum Beispiel entlang von Frischluftschneisen, sind allerdings diskussionswürdig.
So sollte die Bezirksvertretung (=BV) 9 in der Sitzung am 5.10.2018 den Beschluss fassen, dem „Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung“ (=APS) zu empfehlen, die Bürgerbeteiligung zu einem Bebauungsplan-Vorentwurf an der Ickerswarder Str. nahe der Münchener Straße zu beschließen. Es handelt sich um die Fläche, auf der zunächst befristet eine Flüchtlingsunterkunft errichtet werden sollte. Der Vorentwurf sieht hier eine bis zu viergeschossige Bebauung vor. Laut städtischer Planungshinweiskarte, siehe https://www2.duesseldorf.de/fileadmin/Amt19/umweltamt/luft/pdf/planungshinweiskarte.pdf , die eigentlich eine Grundlage zum Erhalt eines verträglichen Stadtklimas darstellt, sollte dieser Bereich von weiterer Bebauung und Versiegelung freigehalten werden. Die Umweltbelange sehe ich bei dem Vorentwurf nicht ausreichend gewürdigt. Da bisher auch die Antwort auf den BV-Beschluss, zu prüfen, ob die Fläche für einen Neubau der Feuerwache Wersten geeignet ist – bei anschließender Nutzung des bisherigen Feuerwehrstandorts am „Werstener Feld“für Wohnungsbau-, aussteht, wurde dem APS empfohlen, die Entscheidung zu vertagen, bis die offenen Fragen geklärt sind.
In der gleichen Sitzung stimmte die BV 9 einer Bauvoranfrage über 79 Wohneinheiten in Mehr- und Einfamilienhäusern am Kärntner Weg, angrenzend an die Werstener Friedhofstraße, zu. Da hier durch den bestehenden Bebauungsplan bereits Baurecht besteht, hatte die BV 9 leider keine Möglichkeit, um den Erhalt von 13 satzungsmäßig geschützten Bäumen zu sichern.
Ein anderer Punkt ist die zurzeit auf Ratsebene diskutierte Regelung, für städtische Grundstücke eine 100%-Quote mit sozial geförderten Wohnungsbau anzustreben, da hier besonderer Bedarf besteht. Um Fehlern, die diesbezüglich in der Vergangenheit mit Großsiedlungen gemacht wurden, vorzubeugen, sollte hier mit Augenmaß vorgegangen werden. Meiner Meinung nach kommt es auf die Größe und Lage dieser Grundstücke an.
Diese Beispiele zeigen, dass die Forderung „Mehr Bauland für Wohnungen“ zwar populär ist, aber andere Belange dabei in den Hintergrund zu geraten scheinen. Das bisher nicht genannte Thema Verkehr ist dabei eins von vielen.      
 
Ernst Welski, Fraktionssprecher BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der BV 9

 

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